1997 Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin: SPONTANE SELBSTENTZÜNDUNG VOM MENSCHEN (SPONTANEOUS HUMAN COMBUSTION, SHC): WIDERLEGUNG EINES KAPITELS AUS DEM VOLKSGLAUBEN
From ForensicWiki

SPONTANE SELBSTENTZÜNDUNG VOM MENSCHEN (SPONTANEOUS HUMAN COMBUSTION, SHC): WIDERLEGUNG EINES KAPITELS AUS DEM VOLKSGLAUBEN
Vortrag auf der Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin, Berlin, 1997Abstract
Mark Benecke, Ph.D.
[Institut für Rechtsmedizin der Universität zu Köln, Melatengürtel 60-62,
D-50823 Köln, Germany, benecke@uni-koeln.de] (ACHTUNG, NEUE ADRESSE SIEHE GANZ UNTEN! ATTENTION! Current address: see footer!)
Much more in different languages about SHC: Click here
Im Gegensatz zu unwahren modernen Großstadtmärchen (urban legends, z.B. "billiger Mercedes",
"enthaupteter Motorradfahrer", "Frau mit behaarter Hand", "Spinnen unter der Haut" usw.) basieren viele Motive des
Volksglaubens (z.B. Vampirismus) auf wirklichen, aber falsch interpretierten Gegebenheiten. Wegen des somit im
Volksglauben enthalteten Körnchens Wahrheit ist ein überzeugender sachlicher Gegenbeweis oft schwierig
zu führen.
Im vorliegenden Fall wurde in mehreren deutschen und amerikanischen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern
wiederholt über die angebliche Selbstentzündung von Menschen berichtet. Die Zeugenberichte sind mit
augenscheinlich nicht gefälschten Fotos belegt, die in der Regel verkohlte Beine ohne den dazugehörigen
Oberkörper bzw. Torso zeigen. Die populären Theorien zur Erklärung des Phänomens reichen von
der Entzündung im Körper enthaltenen Alkohols bis hin zu Funkenschlägen angeblicher interzellulärer
Mikroströme.
Eine daraufhin angestellte Literaturdurchsicht rechtsmedizinischer und populärer Veröffentlichungen
aus den vergangenen 200 Jahren zeigte,
daß bereits Justus von Liebig dem Glauben an spontane Selbstentzündungen experimentell begegnete,
daß viele der modernen Belegfotografien von (echten) Wohnungsbränden - und hier zum Teil aus
rechtsmedizinischen Lehrbüchern - stammen,
daß die Interpretation der oft ungewöhnlichen Verbrennungsmuster durch
den sogenannten Dochteffekt (Komponenten: Unterhautfettgewebe/Kleidung/Brandrichtung) erklärt
werden kann, der bereits von Prokop dargestellt wurde,
daß einige Belegfotografien aus dem in der Originalveröffentlichung berichteten situativen Kontext
gerissen und dadurch mißverständlich wurden,
daß insbesondere behauptete Beschädungen innerer Organe in vielen Fällen
nicht mit experimentellen Verbrennungen korrespondieren.
[Much more SHC (click)]
Mark Benecke, Ph.D., Certified & Sworn In Forensic Biologist, International Forensic Research & Consulting, Postfach 250411, 50520 Cologne, Germany; E-Mail: forensic@benecke.com, www.benecke.com, Text / SMS only +49-173-287-3136.