Buch: Kriminalbiologie

From ForensicWiki

Jump to: navigation, search


KRIMINALBIOLOGIE (Forensic Biology)

Genetische Fingerabdrücke (DNA-Typisierung) und Forensische Entomologie: So arbeitet die moderne Kriminalbiologie

Bonus-Tracks: Wie wird man Kriminalbiologe/-in? Ist das nicht ekelig? Geschichte der forensischen Entomologie. Wie gut sind Forensik-Serien wie "CSI"? Gibt es unzersetzliche Heilige? Wo? Warum? Und wie sieht der Erfinder der genetischen Fingerabdrücke aus?

Von Mark Benecke

Allgemein verständlich. Viele Abbildungen. Viele Fälle. War früher das Buch "Kriminalbiologie", das vergriffen ist. Die aktuelle Ausgabe (dritte, vollständig überarbeitete und massiv erweiterte Auflage des ehemaligen Titels "Kriminalbiologie") hat die ISBN 3-404-60562-4, 338 Seiten und ist in folgenden Auflagen erschienen: 1. Aufl.: Febr. 2006, 2. korr. Aufl.: Okt. 2006, 3. Aufl.: Apr. 2007. Hammer-Volks-Preis nur 7,95 Euro! Das Buch ist in jeder (ja, jeder -- doch: J E D E R ) Buchhandlung s o f o r t zu haben. Nicht durch faule Verkäufer täschen lassen. Für den Klappentext (Umschlag) kann ich nix, hat sich der Verlag ausgedacht. (Erste und zweite Aufl. des alten Titels "Kriminalbiologie" hatten die ISBN 3-404-93025-8 und sind vergriffen.)

Completely new 3rd edition with remarks on forensic biology in the 3rd Reich has ISBN 3-404-60562-4

Cover of KRIMINALBIOLOGIE book
Enlarge
Cover of KRIMINALBIOLOGIE book

Rezensionen


Unentbehrlich

Um es vorweg zu sagen: Dieses Büchlein aus der Feder des renommierten Kriminalbiologen Dr. Benecke sollte in erreichbarer Nähe eines jeden Polizeibeamten sein. Hier findet er alles Wissenswerte zu den behandelten Schwerpunktthemen "Insekten auf Leichen" und den "Möglichkeiten und Perspektiven der DNA-Analyse". Ein präzises Stichwortregister und ein umfassendes Glossar erleichtern Nutzung und Verständnis. Und schließlich: Allein der Abschnitt "Skurrile Überlegungen zur DNA-Typisierung" ist die Anschaffung dieses wirklich preiswerten Büchleins wert. (Waldemar Burghard, Herausgeber (gest. 2002) der Krimininalistik in: Kriminalistik 56:134 (Februar 2002))

Ein sehr empfehlenswertes Buch

Die im Februar 2006 veröffentlichte, vollständig überarbeitete und aktualisierte Ausgabe des 2001 in 2. Auflage erschienenen Bandes behandelt in Teil 1 "Gliedertiere und Leichenerscheinungen". Anschaulich und auch für den Nichtnaturwissenschaftler verständlich, unterlegt mit zahlreichen Fallbeispielen, aussagekräftigem Bildmaterial und aufschlussreichen Diagrammen, wird der aktuelle Stand von Wissenschaft und Forschung auf diesem Gebiet aufgezeigt.

Forensische Entomologie, also rechtsmedizinisch- kriminalistisch angewandte Insekten- und Gliedertierkunde, hat sich zunehmend zur einer bedeutenden Erkenntnisquelle für Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte entwickelt, wenn es darum geht, insbesondere die Leichenliegezeit einzugrenzen, mögliche Vergiftungen zu erkennen oder Fragen zu klären, ob eine Verwahrlosung z.B. von Pflegebedürftigen vorgelegen hat. Der Autor weist aber auch auf die Grenzen der Erkenntnismöglichkeiten hin, so z.B. dass mit Hilfe der Insektengenerationen auf Leichen unter Berücksichtigung der Umwelteinflüsse zwar der Besiedlungszeitraum des Körpers, nicht aber der Todeszeitpunkt selbst bestimmbar ist.

Veranschaulicht wird auch das Risiko, falsche Ausgangsannahmen zugrunde zu legen und damit alle auf dieser Grundlage durchgeführten - noch so genaue und für sich gesehen auch überzeugende - Messungen wertlos zu machen. Hervorgehoben wird ferner, dass eine ganzheitliche, möglichst alle Bestimmungsgrößen berücksichtigende Erkenntnisgewinnung den Einsatz am Tatort selbst erforderlich macht. Hier wiederum führt Teamarbeit zum Erfolg, wie durch das Zusammenwirken von Kriminalisten und Wissenschaftlern an Fallbeispielen belegt wird.

In einem eigenen kleinen Abschnitt erfährt der Leser auch noch kriminalbiologische Erklärungen für Mysterien, wie unzersetzliche Heilige oder so genannte Blutwunder.

Teil 2 "Genetische Fingerabdrücke" widmet sich, unter Darstellung spektakulärer Kriminalfälle der DNA-Typisierung, der zweiten "kriminalistischen Revolution" nach Entdeckung von Fingerabdrücken. Auch für diesen Bereich wird die Bedeutung der gemeinsamen Arbeit von Wissenschaftlern und Kriminalbeamten am Tatort hervorgehoben, um zutreffende Ausgangsannahmen zu erarbeiten und daraus richtige und beweissichere Schlussfolgerungen abzuleiten. Der Bogen wird gespannt von der älteren RFLP-Methode über STRs und SNPs zur mtDNA und Y-chromosomaler DNA. Behandelt werden auch technische Verbesserungen, die in den nächsten Jahren zu erwarten sind.

An Beispielen werden die Aussagekraft mittels dieser Methoden erzielter Ergebnisse und insbesondere die Errechnung von Häufigkeiten bzw. Wahrscheinlichkeiten aufgezeigt. Ein Kapitel beantwortet die Frage, warum man die heute für forensische Zwecke gebräuchlichen DNA-Typisierungen nicht missbrauchen kann. In Deutschland verhindert eine hartnäckig fälschlicherweise unterstellte Gefahr ("gläserner Mensch") immer noch die volle Ausschöpfung dieses Instruments für eine wirkungsvollere Verbrechensbekämpfung. "In den meisten anderen Ländern wird diese Furcht angesichts des in Deutschland sehr hohen Niveaus des Datenschutzes belächelt... Auch in den pragmatischen Niederlanden ist die deutsche Übervorsicht niemandem verständlich. Hier ist es seit 2003 sogar erlaubt, codierende Merkmale in die DNA-Datenbank einzuspeisen, die ein Zeuge ohnehin erkennen könnte. Gemeint sind damit die Haar- und Augenfarbe sowie die Ethnie", so der Autor.

Dem düstersten Kapitel der Kriminalbiologie, eingebettet in das düsterste Kapitel deutscher Geschichte, wendet sich Teil 3 "Die alte Kriminalbiologie" zu und zeigt auf, dass allzu willfährige Forscher unter Außerachtlassung wissenschaftlicher Grundsätze und Arbeitsweisen den Rassenwahn des Nationalsozialismus zugelassen bzw. noch gefördert und begründet haben. Dabei hätten alle kritisch Denkenden, nicht nur ausgebildete Wissenschaftler, bei gutem Willen dieses nationalsozialistische Gedankengut leicht als übelste Propaganda und Wahnvorstellung entlarven können.

Abgerundet wird das lesenswerte und spannende Buch durch ein Wörterverzeichnis mit Erklärungen, Literatur- und Quellenhinweise sowie ein Register zum gezielten Auffinden bestimmter Themen.

Der Autor fesselt durch eine lebendige, über ein reines Sachbuch hinausgehende, gut strukturierte und fachlich versierte Darstellung, die die Begeisterung und das Engagement des Kriminalbiologen für sein Metier und seinen breiten Erfahrungsschatz widerspiegelt. Ein sehr empfehlenswertes Buch.

Klaus Jürgen Timm, Chefredakteur der Krimininalistik in Heft 60(3) (2006), S. 170

Inhalt (2006)

Einleitung: Forensik, Rechtsmedizin und Kriminalbiologie

Teil 1: Gliedertiere und Leichenerscheinungen

Skelettierung durch Insekten -- Spannende Insekten-Fälle -- Madentherapie -- Köcherfliegen und rote Socken (Wasserleiche) -- Die leisen Assistenten -- Nächtliche "Schwaben" (angebl. Säuremord) -- Ist das nicht ekelig? -- Mit Spinnen leben -- Der Lungenschnecken-Fall -- Die Mumie im Wohnzimmerschrank -- Der Seemann in Seetangfliegen -- Der erste moderne Insekten-Fall -- Nicht Schuld ist die Frage, sondern Wahrheit

Teil 2: Genetische Fingerabdrücke: Entlarvendes Erbgut

Katzenhaar klärt Mord -- Wie funktioniert die DNA-Typisierung? -- Matching -- Ein wahrscheinliches-unwahrscheinliches Eifersuchtsdrama -- DNA-Analyse: Möglichkeiten und Perspektiven -- Fast codierende DNA? -- Warum kann mensch DNA-Typisierungen nicht missbrauchen? -- Wie sicher ist sicher? -- Die Vergewaltigung im Pfannkuchenhaus -- Der Mord an Nicole Simpson und ihrem Freund -- Die liebe Verwandtschaft -- Arten- und Naturschutz -- Wie sicher ist eine DNA-Datenbank? -- SNPs -- Meisen-Vaterschaften -- Y-chromosomale DNA -- Autoknacker -- mtDNA -- genetisches Fantombild

Teil 3: Kriminalbiologie im 3. Reich

Gibt es Menschenrassen und kann man sie veredeln? -- Hitlers Finken -- Nordische Verbrecher -- Kohl wird Raps -- Genetisch bedingte Charakter-Ausprägungen

Bonus-Tracks: Noch mehr neue Fälle mit Insekten auf Leichen & genetischen Fingerabdrücken, was ich von Forensik-Serien halte und wie man Kriminalbiologe/-in wird.

Contents: DNA Typing (genetic fingerprints), Forensic Entomology, Forensic Biology and Anthropology and "Races" in the 3rd Reich.



Mark Benecke, Ph.D., Certified & Sworn In Forensic Biologist, International Forensic Research & Consulting, Postfach 250411, 50520 Cologne, Germany; E-Mail: forensic@benecke.com, www.benecke.com, Text / SMS only +49-173-287-3136.