1998 Faktor X: Spontane Selbstentzündung von Menschen
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SHC: Interview (Faktor X)
Interview: Spontane Selbstentzündung von Menschen (SHC)
mit Kriminalbiologe Mark Benecke
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Dies ist eine Rohfassung. Original erschienen in FAKTOR X Nr. 31/NewsXtra Nr. 11 (1998), S. 2
(Kontakdaten damals:) Dipl.-Biol. Dr. rer. medic. Mark Benecke,
Forensischer Biologe beim Office of Chief Medical Examiner (OCME)
in New York City. (*Note: see bottom for current address, please!) Hauptarbeitsgebiete:
Rechtsmedizinisch-kriminalistisch angewandte Insektenkunde
(Forensische Entomologie), genetische Fingerabdrücke (DNA-Typisierung),
rechtsmedizinische Randfragen. Darüberhinaus Arbeiten zum Lernverhalten wirbelloser Tiere.
Zahlreiche nationale und internationale Veröffentlichungen und Vorträge, u.a. in der
ZEIT und Süddeutschen Zeitung. Visiting Assistant Professor
an der University of the Philippines (1997). Mitherausgeber der Annals of Improbable Research (AIR), Harvard.
Bücher: Lexikon der Forscher und Erfinder, Rowohlt, 1997;
Der Traum vom Ewigen Leben, Kindler Verlag, 1998.
1. Seit wann ist das Phänomen der SHC bekannt?
Ausführliche Beschreibungen angeblicher plötzlicher Selbstentzündungen sind schon seit über 150 Jahren bekannt, zum Beispiel aus dem Jahr 1830 in Horns, Nasses und Wagners Archiv für Medizinische Erfahrungen. Schon Justus von Liebig versuchte, seinen Zeitgenossen mit Experimenten zu verdeutlichen, daß ihre Vermutungen zu SHC auf falschen Annahmen beruhten, und die bekannteste literarische Schilderung einer angeblichen SHC findet sich in dem Roman Bleak House von Charles Dickens.
2. Welche wissenschaftlichen Erklärungen gibt es dafür?
Eine Zigarette oder früher auch ein Fidubus setzt die Kleidung oder auch die Haare in Brand. Gebrechliche, kranke oder alkoholierte Menschen (um solche handelt es sich beim SHC) können den Brand nicht rasch genug löschen. Nach einiger Zeit - der Vorgang braucht Zeit, wie Experimente zeigen - beginnt sich das Unterhautfettgewebe zu verflüssigen bzw. zu erweichen. Es durchtränkt die Kleidung. So wie eine Fackel brennt, verbrennt nun der Körper. Die Kleidung wirkt dabei wie ein großer Docht. Fotos, auf denen ganze Körperteile völlig fehlen, sind in einigen Fällen erwiesenermaßen nach Eintreffen der Sanitäter und nach Abtransport der betreffenden Teile gemacht worden. Daß bei sitzenden Personen gelegentlich nur Beine übrig bleiben, liegt daran, daß ein Flamme nach oben brennt und heizt.
3. Sind bestimmte Personen dafür prädestiniert?
Ja. Alte, gebrechliche Personen sowie Menschen, die regelmäßig Drogen wie hochprozentigen Alkohol oder Schlaftabletten zu sich nehmen: Sie können nicht schnell genug auf die gefährliche Situation reagieren. Aus jüngster Zeit ist uns ein Fall bekannt geworden, in dem ein stark alkoholisierter Mann, der in einer Straßenbahn von Dritten angezündet wurde, mehrere Minuten lang seine brennende Kleidung nicht löschte. Daß bewußtseinstrübende Drogen auch bei gewöhnlichen Hausbränden eine wichtige Rolle spielen, ist von RechtsmedizinerInnen seit langem bewiesen.
4. Wie viele Fälle sind weltweit bekannt?
Es gibt nur einen einzigen Fall, der noch nicht vollständig aufgeklärt und widerlegt wurde. Das englische Fernsehen BBC hat eines seiner besten Dokumentar-Teams auf die Fährte des Falles gesetzt, was bedeutet, daß auch er sich - wie praktisch alle anderen Fälle zuvor - vermutlich in Schall und Rauch auflösen wird.
5. Steht SHC Ihrer Meinung nach in irgendeinem Zusammenhang mit paranormalen Phänomenen?
Ausgeschlossen.
6. Wie läßt es sich erklären, daß bei Fällen von SHC der Verbrennungsprozess
normalerweise auf die betroffenen Personen beschränkt bleibt?
Durch den Docht-Effekt, der bewirkt, daß der Brand wie bei einer Fackel auf die betreffende Person begrenzt bleibt.
7. Welcher Zusammenhang besteht zwischen der DNS und SHC?
Keiner, außer daß man offenbar alt und gebrechlich werden muß, was teils von der Erbsubstanz DNA abhängt.
8. Die Genlaserforschung geht davon aus, daß bei SHC die Abschirmung der Zellen
(Hüllkörpertheorie von Dr. F. A. Popp) aufgehoben wird. Ist diese Theorie
offiziell anerkannt?
Ganz und gar nicht. Es handelt sich hier wie bei vielen anderen scheinwissenschaftlichen Erklärungen um typische Fälle von Pseudowissenschaft (pseudo science), das heißt um zum Teil absurd falsch ananeinandergereihte Halbwahrheiten. Es gibt in den USA sogar eine Organisation (das CSIOP; in Deutschland die Dachorganisation GWUP, siehe unten), der auch Nobelpreisträger angehören, die Fehler in solchen Scheinerklärungen allgemeinverständlich aufdeckt und erklärt.
9. Betreiben Sie eigene Forschungen zu SHC?
Ja, in erster Linie historische Forschungen und sogenannte Metaanalysen bereits erhobener Daten.
10. Wo kann man sich am besten über SHC informieren?
In Deutschland bei der GWUP - Gesellschaft zur wissenschaftlichen
Untersuchung von Parawissenschaften - und ihren Unterorganisationen, im Netz zu erreichen unter http://www.gwup.org. Dort gibt es auch eine Mailingliste. In Amerika und Rußland bem CSICOP - Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal, http://www.csicop.org, FAX 001-716-636-1733. Beide Organisationen geben hochlesenswerte Zeitschriften heraus, die deutsche Zeitschrift Skeptiker ist allerdings deutlich trockener als der amerikanische Skeptical Inquirer. Darüberhinaus ergibt die Suche nach der Wortkombination *SHC combustion* mit der Netz-Suchmaschine http://www.metacrawler.com hervorragende Verweise auf Quellen im World Wide Web.
Literaturliste
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Benecke, M. 1997 Menschliche Fackel. Aus irgend einem Grund ist die Vorstellung beliebt, daß Menschen von selbst in Brand geraten können. Die Zeit 43/1997, S. 49
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Mehr zur angeblichen SHC gibt es hier.
Mark Benecke, Ph.D., Certified & Sworn In Forensic Biologist, International Forensic Research & Consulting, Postfach 250411, 50520 Cologne, Germany; E-Mail: forensic@benecke.com, www.benecke.com, Text / SMS only +49-173-287-3136.